Corona-Studien helfen, den Ct-Wert besser einzuordnen
Wer positiv auf das Coronavirus SARS-CoV-2 getestet wird, fragt sich, wie lange man ansteckend ist. Wenn zusätzlich ein PCR-Test durchgeführt wird, erhalten wir auch den sogenannten Ct-Wert. Man spricht dann von einem „starken“ oder „schwach positiven“ Test. Belegen Studien diese Aussagen?
Was ist der Ct-Wert?
Als Ergebnis eines PCR-Tests wird meist nicht nur „positiv” oder „negativ” angegeben, sondern auch der sogenannte Ct-Wert – wobei „Ct” die Abkürzung für das englische „Cycle threshold” ist. Der Begriff leitet sich von der Funktionsweise eines PCR-Tests ab. Bei Verdacht auf eine akute Corona-Infektion lassen sich mit einem PCR-Test kleinste Mengen des Virus-Erbguts im Labor zuverlässig nachweisen.
Die PCR (Polymerase-Kettenreaktion) ist der Goldstandard unter den Corona-Tests und gleichzeitig das aufwändigste Verfahren. Die Probe wird aus dem Nasenrachenraum der betroffenen Person entnommen. Damit können im Labor selbst kleinste Mengen des Virus-Erbguts in mehreren Zyklen („cycles”) vervielfältigt werden.
Was sagt der Ct-Wert aus?
Der Ct-Wert ist ein Maß dafür, wie viel Virus-Erbgut (beim Coronavirus „RNA”) in einer Probe vorhanden ist, gibt also die gemessene Virus-RNA-Konzentration an. Ist diese gering, benötigt das Labor mehrere Vervielfältigungszyklen, um sie in der PCR nachweisen zu können. Je mehr PCR-Zyklen für einen Nachweis durchlaufen werden müssen, desto niedriger ist also die Coronavirus-RNA-Konzentration der untersuchten Probe. Gesucht wird der exakte Grenzwert („threshold"), ab dem das Erbgut erstmals nachgewiesen werden kann. Beim Ct-Wert gilt also, ist er niedrig, ist die Viruslast hoch. Ist er hoch, ist die Viruslast gering.
Aussagekraft von Ct-Werten im Überblick
Ct-Wert unter 20, 30 oder darüber
Ct-Werte über 30 galten in der Corona-Pandemie als Hinweis für eine niedrige Viruslast, die vermutlich nicht mehr zu einer Ansteckung führt. Auf dieser Grundlage wurden im Krankenhaus untergebrachte Patient:innen bei diesem Wert mitunter aus der Isolierung genommen und nicht mehr von anderen Menschen abgeschirmt. Nach einem Blick auf die aktuelle Studienlage sollte diese Interpretation des Ct-Werts jedoch mit großer Vorsicht genossen werden.
Studien: Relevanz des Ct-Werts
Der PCR-Test ist zwar der genaueste unter den verfügbaren Coronatests. Dennoch hat auch dieses Verfahren Limitationen, falsch-negative Testergebnisse sind möglich. Falsch-negativ beschreibt den Fall, dass die getestete Person zwar laut PCR-Ergebnis negativ ist, jedoch in Wirklichkeit eine Corona-Infektion vorliegt.
Im Moment der Testung ist oft nicht ersichtlich, an welchem Punkt im Krankheitsverlauf sich die Person befindet. Der Ct-Wert kann dann zwar hoch sein (und die Infektiosität damit vermeintlich niedrig), aber die Person befindet sich möglicherweise erst am Krankheitsbeginn. Falsch-negative PCR-Ergebnisse sind auch in der späten Krankheitsphase der Corona-Infektion möglich. Rachenabstriche können virenfrei sein, wenn die Infektion in die unteren Atemwege gewandert ist und eine infektiöse Viruslast unten besteht. Ein hoher Wert kann also bedeuten, dass die Infektion gerade erst beginnt oder schon weit vorangeschritten ist.
Die Qualität der Abstrichdurchführung kann variieren und Unterschiede je nach eingesetztem Röhrchen oder Tupfer entstehen. Neben dieser unzureichenden Probenqualität gibt es unterschiedliche PCR-Testkits und Laborpraktiken, kann der Transport bzw. die Lagerung fehlerhaft sein. Auch das kann zu variierenden Ct-Werten führen. Daher sollte der Ct-Wert eher als Tendenz gesehen werden und nicht isoliert zur Beurteilung der Ansteckungsgefahr herangezogen werden.
Laut Robert Koch-Institut erfordert die Interpretation von grenzwertigen oder unklaren Ct-Werten eine sorgfältige Bewertung durch erfahrene Fachleute, um auf Basis dieser Ct-Wert Interpretation klinische Entscheidungen zu treffen. Also auch in der klinischen Praxis muss er mit Vorsicht verwendet werden.
Ct-Wert bei geimpften Personen
Mit einer vollständigen Corona-Impfung und späteren Auffrischimpfung können Menschen ihr Risiko, schwer an COVID-19 zu erkranken, deutlich reduzieren. Auch das Risiko, Symptome zu entwickeln, ist geringer. Trotzdem sind sogenannte Impfdurchbrüche – wenn also bei einer vollständig geimpften Person SARS-CoV-2-Infektion mit Symptomatik festgestellt wird – gerade bei Omikron nicht selten.
Die Symptome einer Durchbruchinfektion ähneln den COVID-19-Symptomen einer ungeimpften Person, fallen aber milder aus. Laut Studien sind schwere Verläufe deutlich seltener. Impfen lohnt also weiterhin.
Studienergebnisse zu den Ct-Mittelwerten bei ungeimpften und geimpften Infizierten gibt es aktuell nur für frühere Virusmutationen (wie die Delta Variante). Demnach können auch geimpfte Infizierte Ct-Werte erreichen, die für andere Menschen mit einer relevanten Ansteckungsgefahr einhergehen. Dennoch scheint die Impfung einen günstigen Effekt auf die Viruslast und damit die Ct-Werte zu haben. Ob sich dieser positive „Impftrend” bezogen auf den Ct-Wert auch bei der Omikron-Mutation fortsetzt, muss jedoch erst noch durch weitere Studien belegt werden. Allein anhand des Ct-Werts sollte nicht entschieden werden, ob jemand für andere Menschen noch ansteckend ist.
Ansteckungsdauer nach COVID-19-Infektion
Eine Virusübertragung auf andere ist nach 7 bis 10 Krankheitstagen unwahrscheinlich. Dies gilt für Menschen mit funktionierendem Immunsystem. Ausnahmen bestätigen die Regel, daher ist Vorsicht geboten – selbst nach erfolgter Auffrischimpfung.
Was der Ct-Wert über die Ansteckung aussagt
Sicherlich stimmt es in der Tendenz, dass die meisten Menschen mit einem hohen Ct-Wert in ihrer PCR potenziell weniger ansteckend für ihre Mitmenschen sind. Dennoch ist die Ct-Wert Bedeutung geringer, als man lange annahm. Denn niemand kann mit Sicherheit sagen, in welcher Phase des Krankheitsverlaufs sich die betroffene Person befindet, mit welcher Qualität Probenentnahme, Transport und Lagerung erfolgt sind und welche Testeinstellung das jeweilige Labor verwendet hat. Ein erfreulich hoher Ct-Wert kann in Wirklichkeit deutlich niedriger sein.
Aus der Quarantäne freitesten?
Der beste Weg, um sicher niemanden anzustecken, bleibt, sich mit einem negativen Test aus Isolation oder Quarantäne herauszutesten, aber eine verpflichtende Quarantäne gibt es nicht mehr.
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